Installation

Hélioflore

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    Die Lichtquellen, die  Bauwerke und Denkmäler nachts in Szene setzen, bleiben den Blicken des Betrachters normalerweise diskret verborgen. In ihrer Sichtbarmachung und  Strukturierung besteht die Originalität von Samuel Rousseaus künstlerischem Projekt. Zu den Auflagen, die der Verein „Amis du Château d’Andlau“ dem Künstler mit auf den Weg gab, gehörten die Berücksichtigung der einsamen Lage der Burg sowie das „ökologische“ Anliegen, die Lampen ausschließlich mit Sonnenenergie anzutreiben. Samuel Rousseau, der durch seine Arbeit im Videobereich bereits mit der Verwendung „neuer Technologien“ vertraut war, nahm dies als Ansporn für die Entdeckung von deren poetischer Virtualität.

    Die funktionstechnische Analogie zwischen Solarzellen, die Sonnenstrahlen in nutzbare Energie umwandeln, und dem biologischen Phänomen der Photosynthese inspirierte den Künstler dazu, den verschiedenen Elementen seiner Konstruktion eine pflanzliche Form zu geben. Die Solarzellen, die für eine optimale Ausnutzung der Sonneneinstrahlung nach Süden ausgerichtet wurden, spielen die Rolle des Blätterwerks, während das Flechtwerk der Plastikschläuche an die Türme hinaufkletternden Efeu und noch kleinere Schläuche auf der Außenmauer an wilde Weinranken erinnern.

    Tagsüber liest sich das Werk wie eine Neuinterpretation der romantischen Ruinenästhetik, in deren Bildwelten sich pflanzliche und architekturale Elementen verflochten und die nun auf eine gleichzeitig technologische und „modernistische“ Weise mit geometrischen Formen, unbearbeiteten Materialien und reinen Farben neu inszeniert wird. In der Nacht wird das Licht, das tagsüber in elektrische Energie umgewandelt und gespeichert wurde, aus abertausenden Dioden in die Dunkelheit wieder ausgestrahlt. Hierbei wird die  Gestalt der Burg nicht enthüllt, sondern  vielmehr ihre düstere, lebendige Gegenwart in der Landschaft spürbar gemacht. Die verschiedenfarbigen Lämpchen werden über ein Computersystem gesteuert, das dafür sorgt, dass ihr Licht umso heller strahlt, je dunkler es  wird – bis sich in dem ruhigen, mysteriösen Atem der Lichter, die von weitem an ein funkelndes Sternbild erinnern, jene sonst so verschiedenen Zeitlichkeiten von Geschichte, Technik, Kosmos und Kunst vereinen.