Installation

Genius Loci

    Localiser l'emplacement dans google maps

    Parc de Pourtalès – Straßburg

    Neben einer riesigen Kugel hockt eine Figur mit menschlichen Zügen und zeigt mit dem Finger auf eine Stelle der Landkarte, die vor ihm auf dem Boden liegt. Die gleiche Karte befindet sich in einiger Entfernung noch einmal, diesmal kleiner und mit sieben kleinen Kugeln versehen, welche die Standorte anderer Skulpturen im Park markieren. Etwas weiter weg die gleiche Karte, noch kleiner diesmal und – konkret wie symbolisch – völlig leer. Eine vierte Karte schließlich liegt, beinahe unsichtbar, verkümmernd im Gebüsch.

    Das Werk funktioniert wie eine poetische Erzählung dieses Ortes, die sich durch das Spiel mit Maßstab und Entfernung gliedert und selber reflektiert. Der „Geist des Ortes“, der uns eigentlich helfen sollte, stiftet eher Verwirrung. Die Karte wird immer kleiner und verliert schließlich all ihren Nutzen.

    „Die Erde gewinnt die Oberhand über ihre eigene kartografische Transkription“. G.P.

    Mit der stufenweisen Verkleinerung der sichtbaren Elemente beginnt auch die Skulptur selbst, sich aufzulösen und in einen pflanzlichen Zustand überzutreten. Am Ende sind die Kartenstücke nicht mehr als Blätter unter Blättern.

    Die grüne Patina, welche die bronzene Oberfläche mit der Zeit überzogen hat, trägt zu diesem Prozess zusätzlich bei und bringt das Wortspiel im Titel noch deutlicher hervor: „Pianta“ bedeutet auf Italienisch sowohl „Pflanze“ als auch „Karte“. Die Wiederholung und die zunehmende Selbstauflösung der Erzählung stellen uns vor eine der wichtigsten künstlerischen Fragen der Kunst, die nach dem Zusammenhang zwischen Einem und Vielem – als führe das Viele zwangsläufig zum Nichts, das sichtbare Werk zu seinem eigenen Verschwinden. So verbindet sich Giulio Paolinis künstlerisches Vorgehen mit unseren eigenen geistigen Prozessen, stets angeregt durch den „utopischen“ Wunsch, einen Raum vollständig zu erfassen.
    Skulpturenensemble aus Gummiharz – 2001