The Souls, a Twice-Told Tale

    Die Ausstellung The Souls, a Twice-Told Tale, der zweite Teil des Doppelgänger-Zyklus, erforscht weitere Ausprägungen der Doppelgänger‑Generation. Diesmal liegt der Schwerpunkt auf der Spaltung, welche die Künstler über unterschiedlichste Medien reflektieren. Während die erste Ausstellung Les Séparés die psychische Struktur des Individuums als „Handlungsbühne“ des Spaltungserlebnisses setzte, betrachten die Werke dieser zweiten Ausstellung das Phänomen auf der Ebene des „Zusammenlebens“.

    Der Titel der Ausstellung verweist auf die Essaysammlung „The Souls of Black Folk“ (dt:„Die Seelen der Schwarzen“) des Soziologen und schwarzen Bürgerrechtlers W.E.B. Du Bois (1868-1963). Diesem Werk entlehnt die Ausstellung auch die Dichotomie von Hülle/Enthüllung, anhand derer der Autor die moralische und metaphysische Verwüstung analysiert, die mit der Rassentrennung einhergeht. Zu der Unmöglichkeit der Spaltung kam für deren Opfer die Erfahrung, als Halbbürger angesehen zu werden. Während Dubois die Folgen dieser unsichtbaren Hülle beschrieb, will die Ausstellung ihre Strukturprinzipien beispielhaft erläutern – in ihrem eigenen Raum.

    Es geht also darum, eine paradoxe Beteiligung an der Welt zu wiederholen, sie noch einmal zu sagen, aber auf andere Weise – sei es über das Spiel mit sprachlichen und traditionellen Konventionen (Lisa Holzer, David Jourdan, Westphalie) oder mit banalen Alltagsgegenständen (Chloé Quenum). Paradox ist diese Beteiligung deshalb, weil sie gleichzeitig eine Distanz (zur eben jener Welt) impliziert, die durch das Spiel mit Formen (Ciara Phillips) oder die Beschäftigung mit Repräsentation und Erinnerung (Denis Prisset) zum Ausdruck kommt. Auch wenn die Ausstellung den Postkolonialismus nicht explizit thematisiert, so ist er doch stets hintergründig präsent – und sei es nur durch das Aufgreifen seiner Fragestellungen.

    Die Werke von Markus Schinwald und Lynette Yiadom-Boakye sowie Nagisa Oshimas Film „Die Rückkehr der drei Trunkenbolde“ beschäftigen sich direkt mit der Frage nach der eindeutigen Repräsentation des Individuums – und geben sie vielleicht auch zurück.

    Mit Cécile Dauchez, Lisa Holzer, David Jourdan, Ciara Phillips, Nagisa Oshima, Denis Prisset, Chloé Quenum, Markus Schinwald, Westphalie, Lynette Yiadom-Boakye