Rose

    Rose ist die Protagonistin des Kinderbuchs Die Welt ist rund von Gertrude Stein (1874 – 1946). Dieser Text, der das literarische und künstlerische Konzept der amerikanischen Schriftstellerin hervorragend veranschaulicht, erschien 1939 mit Illustrationen von Clement Hurd, gedruckt in blauer Schrift auf rosafarbenen Seiten.

    Das Buch – geschrieben, „um Spaß daran zu haben“ und vorgelesen zu werden – ist ein ausgezeichnetes Beispiel für Gertrude Steins repetitiven, musikalischen und poetischen Stil, mit dem die Mäzenin und Fürsprecherin der künstlerischen Avantgarde die Theorien des Kubismus literarisch umsetzte.

    Die Welt ist rund ist somit die erste – und vielleicht auch die einzige – kubistische Erzählung für Kinder.

    Sie erzählt in einer Art kontinuierlichem, unbestimmten Präsens davon, wie ein kleines Mädchen namens Rose mit der unschuldigen Neugier eines Kindes die Welt entdeckt.

    Auf der Suche nach einer festen Identität in einer sich ständig verändernden Welt reist Rose umher, betrachtet den Tag und die Nacht, singt und weint gemeinsam mit Love dem Hund, ihrem Cousin Willie und dem Löwen Billie.

    Ihre Welt besteht aus wenigen Elementen – einem Löwen, einem Berg, einem blauen Stuhl, einer grünen Wiese –; der Rest ergibt sich aus den Ortswechseln und den unendlichen Variationen von Formen und Wörtern.

    Verschiedene Ereignisse reihen sich zu einer Geschichte zusammen, immer wieder unterbrochen von Liedern und Abzählreimen voller Klang- und Sinnspiele.

    Durch die Wiederholung von Wörtern – Gertrude Steins auffälligstes und wichtigstes Stilmittel, Reflexionsgegenstand und Erzählmoment zugleich – wird Roses Welt intuitiv verständlich. Der Text rollt sich um sein Thema herum, die Wörter werden rhythmisch und bunt. Der bewusst klare und minimalistische, aber durchaus nicht humorlose Stil zielt auf das Wesentliche ab, und die progressiv-variierenden Wiederholungen umkreisen die Wörter und Sätze, um so weit wie möglich zu ihrer Wahrheit vorzudringen.

    Rose ist der Auftakt zu einem dreiteiligen Ausstellungszyklus im CEAAC. Die gezeigten Werke verweisen formell auf Minimal Art und Concept Art und stecken doch voller Gefühle und Emotionen.

    In Anlehnung an Gertrude Steins minimalistischen Stil versuchen die gezeigten Kunstwerke, das Wesen ihrer Sujets mit so wenigen Elementen wie möglich zu erfassen. Nicht selten erweist sich ihre scheinbare Einfachheit dabei als Träger unzähliger Sinn- und Interpretationsmöglichkeiten.

    Die Künstler erforschen die Formen, Sprachen, Mittel und Werkzeuge, mit denen Dinge dargestellt werden können. Sie verwandeln Gegenstände in Wörter, Wörter in Bilder und setzen sie in Beziehung zu Materie, Raum und Klang.

    Etel Adnan zeigt mit ihren reinen Farbflächen die kontinuierlich veränderte Wahrnehmung eines Berges, Barbara und Michael Leisgen lassen Körper mit Landschaften verschmelzen, Guy de Cointet und Joseph Grigely verwenden Wörter wie Bildern (und umgekehrt), Ryan Gander inszeniert eine Degas’sche Tänzerin inmitten einer geometrisch-bunten Bauhauskulisse, Ulla von Brandenburg sortiert eine romantische Landschaft mit Stoffbändern nach Farben, Daniel Linehan dreht sich bis zur Erschöpfung um sich selbst und trägt dabei einen Text vor, und Jean-Luc Moulène präsentiert „so etwas wie die Hieroglyphen des Blicks“.

     

    Rose

    13. März – 25. Mai 2014

    Kuratoren: Elodie Royer und Yoann Gourmel

     

    Not About Everything

    Performance von Daniel Linehan, 12. April 2014 um 17 Uhr