Marta Caradec

    Um der „Angst vor dem weißen Blatt“ vorzubeugen, arbeitet Marta Caradec stets auf bereits bedruckten Seiten – vor allem mit geographischen Karten, auf die sie Motive und/oder Informationen schreibt, malt und übereinander klebt. „Karten sind Dokumente von politischer Bedeutung“ – hier liegt der historische Ansatz ihrer aktuellen Arbeit. Darüber hinaus erforscht die Künstlerin mittels der Karte als Repräsentationsgegenstand der westlichen Welt, verschiedenen Formen unserer Wahrnehmung.

    Die Künstlerin, die „auf (ihrem) kleinen Maßstab, auf absurde und obsessionshafte Art und Weise versucht, das Menschliche wieder in den Mittelpunkt der Welt zu rücken und so ihren Platz in dieser neuen, globalisierten Welt zu finden“, erklärt ihr Projekt und die künstlerischen Absichten, die im Rahmen ihrer Residenz entstanden sind, und erzählt, warum der Aufenthalt in Budapest ihrem Werk eine neue Wendung gegeben hat.

    Schon vor ihrem Residenzaufenthalt hatte Marta Caradec neben einer Vielzahl anderer kartographischer Arbeiten eine Katasterkarte der Stadt Straßburg erstellt, in dem sie lediglich die poetisch klingenden Straßennamen  beibehielt. Diese Karte bildete den Ausgangspunkt des Projekts „Dictionnaire du Monde“, eines interaktiven Werks, bei dem jeder Besucher ein Kartenstück mit nach Hause nehmen darf, wenn er der Künstlerin dafür seine persönliche Definition von der Welt erzählt.

    Für dieses Projekt reiste die Künstlerin zu Residenzaufenthalten nach Kattowitz (Polen) und Budapest (Ungarn), um sich von der Geschichte der beiden Städte inspirieren zu lassen. Mit dem Jahr 1926 beschäftigt sie sich anlässlich ihrer Reise nach Kattowitz, mit 1956/1957 in Budapest, es sind dies Schlüsseldaten  für jedes der  Länder.

    Anschliessend erforschte Marta Caradec die Traditionen, Motive und Kulturen der beiden Städte. Diese Erfahrung veränderte den Bezug ihres Werkes zu Territorien, geographischen Gebieten und auf zwischenmenschliche Beziehungen und rückte die Suche nach dem Platz des Menschen in der Welt noch deutlicher in seinen Mittelpunkt.