Jan Jelinek

    Der Ausstellungstitel (Melodie: immer die Kunst von anderer) ist ein Zitat aus dem Karteikartenarchiv Ursula Bogners, in dem sie Gedanken zu so unterschiedlichen Themen wie Ehe, Orgonenergie, Musik, Kurzwellenstrahlung oder Superzivilisationen notierte. Die in der Pharmaindustrie beschäftigte Wissenschaftlerin äußert sich in diesen akribisch mit Schreibmaschine getippten Kurztexten in einer spröden Poesie und stellt dabei so essentielle Fragen wie: Kann man die Nacht abschaffen? Dass sie als Musikerin – denn als solche darf man sie seit ihrer spektakulären posthumen Entdeckung durch den Berliner Musikproduzenten Jan Jelinek ganz sicher bezeichnen, die Melodie so weit von sich- und anderen zuweist, ist allerdings eher erstaunlich, zumal in den auf Jelineks Label faitiche herausgegebenen Stücken das Melodiöse durchaus eine Rolle spielt.1Was uns heute von Bogner präsentiert wird – neben ihrer Musik sind es Zeichnungen, auf denen wissenschaftliche Schaubilder mit Textkommentaren versehen sind, Bilder aus ihrem Fotoalbum sowie die eingangs erwähnten Kurztexte in einem Karteikartenarchiv – ist gefiltert und beeinflusst durch die Auswahl Jelineks. Nach langjähriger Beschäftigung mit ihren Arbeiten versuchte er erstmals eine Rekonstruktion einer Diainstallation: fünf Dias mit den Motiven» Supergranulationszellen, Lichtbogen Sonnenfinsternis 1980, Entdeckungsaufnahme Komet Halley, Magnetfeld, Aurora am Jupiterrand« wurden dafür mit fünf Diaprojektoren in variierender Lichtintensität übereinander geblendet. In der Ausstellung dokumentiert ein Plakat mit Filmstills diese Installation, für die es nur Timecode-Notizen, doch keine präzisen Angaben für die Überblendungen gibt.
    Die Werke aus dem Nachlass geben insgesamt nur wenig Aufschluss über die Gewichtung der einzelnen Elemente in ihrem Oeuvre. So ist auch diese Ausstellung, mit der am Eröffnungsabend stattfindenden Performance »Schleusen« nach einer Bognerschen Partitur, lediglich der Versuch einer Interpretation der Werke dieser außergewöhnlichen Künstlerin.